Ökumenisches Friedensgebet

Freitag, 18. Dezember 1998; ULF

Teile der vorliegenden Friedensandacht sind entnommen:

"Gib den Erschlagenen deinen Atem, damit sie lebendig werden" (Ezichiel 37)

Herausgeber: Kampagne "Produzieren für das Leben", Bismarkring 3; 65183 Wiesbaden.

Eingangslied: GL 106 1,2 + 5; Kündet allen in der Not

 

Begrüßung: Einführung in das Thema,

Liturgische Begrüßung

Wenn das Blut eines Menschen vergossen, wenn ein Mensch getötet und zum Märtyrer wird, dann stärkt es den Widerstand, weil Hunderte von Menschen neu aufstehen und sich gegen Unterdrückung, Krieg, Korruption, Terror und Gewalt erheben." Dieses auf einen frühchristlichen Märtyrer zurückgehende Wort will zum Nachdenken anregen. Es ermutigt aber auch zum Tun und zum Gebet.

Beten und Gottesdienstfeiern bedeuten, das ganze Leben und das ganze Menschsein einzusammeln und vor Gott zur Sprache zu bringen. Es gilt, die Not der Menschen ebenso wie die Schätze des Volkes anzuschauen. Gemeinsam durchleben sie tiefes Leid und tiefe Ungerechtigkeit, aber auch Stunden des Glücks und der zaghaften Hoffnung. Aus dieser Spannung erwächst ihnen unbändige Kraft und langer Atem.

Beten und Gottesdienstfeiern für Menschenrechte knüpfen am jüdisch - christlichen Glauben an, der geprägt ist vom befreienden und lebensschaffenden Gott (Exodus/Ostern). Viele Menschen finden hierin eine Quelle, aus der sie Kraft, Phantasie und einen langen Atem für ihr politisches Handeln schöpfen und Erschlagene lebendig machen helfen. in der Begegnung mit Gott finden Menschen Mut zum Widerstand, Hoffnung auf Veränderung.

In diesem ökumenischen Friedensgebet, wollen wir vor allem an die Opfer der Landminen denken. Alle 20 Minuten stirbt ein Mensch auf der Erde an dieser grausamen, unmenschlichen Waffe. 110 Millionen sind davon in unserer Erde begraben. Sie verhöhnen Gottes Schöpfung. Menschen die nach Macht gieren, die sich ängstigen und die verdienen an diesem Leid sind verantwortlich. Felder können nicht mehr bestellt werden, Kinder werden verstümmelt, Familien auseinandergerissen. Zivilisten sind Opfer grausamer Gewalt. Auch wir tragen Mitverantwortung für dieses Unrecht in der Welt. Deshalb fühlen wir uns diesen Opfern verpflichtet und tragen in diesem Gebet all das Leid und die Schuld, aber auch unsere Hoffnung vor Gott.

 

Kyrierufe (von Bernhard Kullmann)

Herr, erbarme dich...

Der Herr erbarme sich unser...

Lied: RM 91, In Ängsten die Einen

Gebet

Nach einem Gebet von Bischof Cano

Warum, o Herr, rüsten sich so sehr

die Krieger aller Länder,

als wären sie bedroht von allen Seiten,

aus der Luft, dem Meer und dem eigenen Lande?

Die Völker indessen stöhnen in Leiden auf,

weil Hungersnöte sie tödlich bedrohen,

Ihnen wird jedoch das Recht nicht zuerkannt, sich zu rüsten mit deinem Wort.

Die Felder klagen laut, weil niemand sie bestellt, weil sie verseucht sind von Minen und Granaten.

Die Städte fühlen sich belästigt: es wimmert da der Hunger.

Herr, nur du kannst uns noch Heil verschaffen,

ist denn das Blut deines Sohnes lediglich ein Symbol?

Wozu sein Tod, wenn auch wir noch sterben müssen, um die Weit zu retten?

Sieh doch, Herr, wie deine Kirche zittert, aus Angst, sie könnten ihre Sicherheit verlieren.

Komm o Herr, eile uns zu helfen.

Lesung: aus Ezechiel 37,1-14;

Die Vision von der Auferweckung Israels

Lied: RM 10, Wenn einer zu reden beginnt

Evangelium: Mt 5,21-26; Vom Töten und von der Versöhnung:

Lied: GL 110 1+2; "Wachet auf", ruft uns die Stimme

 

Impulse für eine Ansprache:

Das Volk Israel ist im Exil. Der Prophet Ezechiel lebt unter den Verbannten. Das Ende des Exils steht in Aussicht. Der Prophet soll das neue Leben ankündigen, das Gott für sein Volk bereithält und mit ihm gestalten will. Der Prophet wagt es, von Gott ermutigt, seine Landsleute mit ihrer Lebenswirklichkeit zu konfrontieren: In den toten Gebeinen sieht er das Elend und die Aussichtslosigkeit seines Volkes mit unabänderbarer Brutalität vor sich.

ein paar aktuelle Worte (Landminensituation, Golf)

Eine erste wichtige Botschaft des Schrifttextes an und Gott lehrt uns das Sehen, das Hinschauen. Er befähigt uns, offen zu bleiben, wenn wir am liebsten Augen und Ohren vor der Wirklichkeit der nackten Wahrheit verschließen würden. Die nackte Wahrheit, die sich uns zeigt in der ausgetrockneten Hoffnung der Armen und Unterdrückten, in den geschändeten Leibern derer, die sich der Macht entgegenstellen.

Gott ist es, der die Kraft hat, in unsere verkorksten und unmenschlichen Situationen hineinzugehen, darin auszuhalten und nicht wegzulaufen. Gott ist es, der die Kraft hat, uns da hineinsehen zu lassen, damit wir uns ein Urteil bilden können, wie es mit uns aussieht, wie es um uns Menschen steht.

Ezechiel muß Stellung beziehen, muß seinen Glauben bekennen, wenn er die unbequeme Frage Gottes beantworten will: "Können diese Gebeine wieder lebendig werden?"

Volk Gottes von heute sag'selbst: Kannst du da noch was retten angesichts solch auswegloser Situation?

Das ist eine zweite Botschaft des Propheten an uns: Gott lehrt uns das Urteilen, nicht das Verurteilen. Wenn Ezechiel antwortet: "Herr und Gott, das weißt nur du allein, ob diese Gebeine wieder lebendig werden können", dann ist es sein Bekenntnis zum rettenden Handeln Gottes. Ezechiel sieht: Menschlich gesehen geht nichts mehr. Aber Gott geht auf sein Volk zu. Ezechiel bringt die Bedürftigkeit seines Volkes zum Ausdruck: "Gott, wir brauchen dich!" Es ist die Einladung, Gott in unser Leben einzubeziehen, so wie Gott uns mit in sein Leben einbezogen hat.

Ezechiel läßt sich mit seinen Begabungen und Fähigkeiten von Gott in Dienst nehmen. Er läßt sich von seinem Gott führen. Damit verbindet sich die dritte Botschaft des Propheten: Gott lehrt uns das Handeln. Gott sagt zu mir: "Ich brauche dich, Mensch!" Gott ist es, der den Mut hat, mich und uns als seine Partnerinnen und Partner des Friedens und der Gerechtigkeit zu brauchen. Gott ist es, der uns immer wieder in scheinbar ausweglose Situationen hineinstellt wie einen Ezechiel, damit wir uns ebenso anrühren lassen und als Betroffene anderen Menschen Leben und Geist schenken, ihnen ihre geraubte Würde zurückgeben und Perspektiven entwickeln für ein befreites Leben in Frieden und Gerechtigkeit.

Lied: RM 106, Friede soll mit euch sein

 

Unsere Antwort, unser Bekenntnis zu Jesus Christus:

Kolumbianisches Glaubensbekenntnis

Wir glauben an Gott, der für uns ist Vater und Mutter, Schöpfer von allem, was ist.

Wir glauben an Jesus, geboren von einer Frau, so arm wie wir, die bescheiden und wehrlos lebte, die stets an der Seite der Armen, der Traurigen und der Verzweifelten und all derer war, die sie brauchten.

Wir glauben an Christus, den sie töteten, weil er unsere Befreiung gepredigt und verwirklicht hat, der aber dann nach drei Tagen auferstanden ist und jeden Tag neu aufersteht in den kleinen und großen Veränderungen in unserem Leben, wenn wir jemandem verzeihen, wenn wir unsere Fehler zugeben.

Wir glauben an den Heiligen Geist, an diese Kraft in uns, die bewirkt, daß wir vergeben, daß wir lieben und daß wir weiter kämpfen.

Wir glauben an die Kirche, die gebildet wird vom Volk Gottes und die trotz ihrer Mängel Tag für Tag stärker wird durch guten Taten zur Verbesserung unserer Welt, zur Errichtung des Reiches Gottes.

Und wir glauben, daß eines Tages unsere Tränen versiegen und wir vereint sein werden mit denen, die wir lieben.

(Ouelle: Textblatt der Basisgemeinde Ei Retiro in Coli, Provinz Aguablanca, Kolumbien. Übersetzung: Edith Thier.)

 

Fürbitten: (von Bernhard Kullmann)

nach jeder Fürbitte: RM 55; Alle eure Sorge

Wir wollen nun vor Gott dem allmächtigen Vater treten und ihm unsere Bitten anvertrauen.

Amen

Einladung zum Vater Unser

Friedensgruß dabei

Friedenslied: RM 54; Fang mit dem Frieden bei deinem Nachbarn an

Kollekte für Minenopfer

Besinnung und Auftrag:

Selig sind die Humorvollen und Weisen

Selig die, die über sich selbst lachen können;
sie werden immer genug Unterhaltung finden.

Selig die, die einen Berg von einem Maulwurfhügel unterscheiden können;
sie werden sich viel Ärger ersparen.

Selig die, die fähig sind, sich auszuruhen und zu schlafen,
ohne dafür Entschuldigungen zu suchen;
sie werden weise werden.

Selig die, die schweigen und zuhören können;
sie werden dabei viel Neues lernen.

Selig die, die intelligent genug sind sich selbst nicht zu
ernst zu nehmen;
sie werden von ihren Mitmenschen geschätzt werden.

Selig die, die aufmerksam sind für die Winke der anderen,
ohne sich jedoch für unersetzlich zu halten;
sie werden viel Freude säen.

Selig die, die lächeln können und kein böses Gesicht machen;
ihre Wege werden sonnenbeschienen sein.

Selig die, die es verstehen, die kleinen Dinge ernst und die
ernsten Dinge gelassen anzusehen;
sie werden im Leben sehr weit kommen.

Selig die, die denken, bevor sie handeln, und beten, ehe sie
denken; sie werden eine Menge Dummheiten vermeiden.

Selig die, die schweigen und lächeln können, auch wenn man
ihnen das Wort abschneidet oder auf die Zehen tritt;
sie sind dem Geist des Evangeliums sehr nahe.

Selig die, die den Herrn in allen Wesen erkennen und lieben;
sie werden Licht und Güte und Freude ausstrahlen.

(Quelle unbekannt)

Dank und kurzes freies Gebet

Segen

Gott schenke euch die Kraft des Herzens,

das weit genug ist, um aufzunehmen und zu empfangen.

Gott schenke euch die Kraft der Hände, die anpacken,

um am Aufbau seines Reiches mitzuwirken.

Gott schenke euch die Kraft der Gedanken,

die phantasievoll sind, um Auswege aus den Sackgassen zu finden.

Gott segne euch im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.

 

Schlußlied: GL 644, 1,4,5,7 Sonne der Gerechtigkeit




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