
In einer Gesprächsrunde zum Kosovokrieg am 30. März 1999 haben die Teilnehmer folgende Stellungnahme verabschiedet. Wir freuen uns, wenn andere Personen und Gruppen sich unseren Forderungen anschließen und diese Stellungnahme weiter verbreiten. Wir bitten um Rückmeldung an:
Kann der Frieden herbeigebombt werden?
Zum Krieg um den Kosovo -
Eine Stellungnahme des Pax Christi Kreises Aschaffenburg
Viele Völker im ehemaligen Jugoslawien leiden seit vielen Jahren unter Krieg, Menschenrechtsverletzungen und Vertreibung. Auch das Volk im Kosovo wird seit mehreren Jahren unterdrückt und verfolgt. Unrecht geschieht von allen Seiten. Viele unermüdliche Verhandlungen haben nicht zum Erfolg geführt. Jetzt werden die Menschenrechte im Kosovo von serbischer Seite in massivster Weise verletzt. Die Spirale der Gewalt dreht sich immer weiter. Menschen werden ermordet, gefoltert, abgeschlachtet und von militärischen Verbänden und von serbischen Milizen aus ihrer Heimat vertrieben. Bomben fallen auf Jugoslawien und erneut sterben viele unschuldige Menschen. Die Luftangriffe der NATO dienen Milosevic als Rechtfertigung für immer neue Massaker. Mit menschenverachtendem Zynismus findet eine sogenannte ethnische Säuberung statt.
Viele Menschen und Gruppen fragen nach der Rechtmäßigkeit des NATO-Einsatzes und stellen diesen in seiner letzten Konsequenz in Frage. Zu welchem Ziel führt dieser? Hilft er den Menschen im Kosovo? Gibt es keine menschlichere Lösung? Wie begegnet man einem engstirnigen Diktator, der Verhandlungsergebnisse einfach nicht akzeptiert? Auch in einer Verlautbarung des Vatikans heißt es in Bezug auf diese Problematik: die Logik wonach ein Verhandlungsergebnis herbeigebombt werden soll, sei verfehlt und führe zu nichts.
Inzwischen wird schon der Einsatz von Bodentruppen diskutiert. Eine Ausweitung des Konflikts, auch auf andere Länder, droht. Die Leiden der Bevölkerung nehmen zu und die Fronten verhärten zunehmend. Damit wird ein friedliches Zusammenleben in der Zukunft immer aussichtsloser.
Zwischenzeitlich ist die Friedensarbeit, unter anderem von Pax Christi, und die humanitäre Hilfe verschiedener Gruppen zum großen Teil zum Erliegen gekommen. Der gesamte Balkan befindet sich in einer humanitären Katastrophe die sich weiter verschlimmern wird.
Wir fragen: Wer wagt in dieser Situation den ersten Schritt zur Versöhnung?
Wir apellieren daher an alle, die in Verantwortung stehen:
Wir als Pax Christi Gruppe wollen unsere Hilflosigkeit in dieser Situation nicht verleugnen, aber als Christen haben wir gerade in dieser vorösterlichen Zeit eine feste und begründete Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben der Menschen.
Aschaffenburg, den 30. März 1999
Pax Christi Aschaffenburg
Diakon Bernhard Kullmann
Dammer Straße 25
63741 Aschaffenburg