Predigt zum dritten Advent 1998
"Bist du der, der kommen soll ?" - Zweifel und Hoffnung
Liebe Schwestern und Brüder,
in jedem von uns gibt es einmal Zweifel an einer Sache, oft grübeln wir dann, fragen und schauen mehrfach nach oder erkundigen uns ganz genau nach dem genauem Sachstand.
Zweifel gibt es auch im Glaubensleben, gerade in einer Zeit, wo viele unterschiedliche Religionen um die Menschen ringen und in einer Zeit in der das weltliche doch so stark zählt, keimen auch in gläubigen Menschen Zweifel auf; liege ich mit meinem Glauben richtig? Gibt es tatsächlich ein Weiterleben nach dem Tod? Ist dieses Kind das wir jetzt in der Adventszeit erwarten wirklich Gottes Sohn? Ist dieser Jesus der Messias, der das Heil zu den Menschen bringt?
Auch in Johannes kommen im Gefängnis Zweifel auf, das Evangelium des heutigen Tages erzählt davon, wie Johannes seine Jünger losschickt, um genau zu fragen, wer denn dieser Jesus sei.
Wie reagieren wir eigentlich wenn jemand an uns zweifelt?
Oft sind wir unwirsch: wie kannst du nur fragen! ... glaubst du mir etwa nicht? ... du hast kein Vertrauen zu mir!
Wieviel anders reagiert da Jesus: Freundlich und sachlich weißt er auf das wesentliche hin – "Blinde sehen wieder, und Lahme gehen; Aussätzige werden rein, und Taube hören; Tote stehen auf, und den Armen wird das Evangelium verkündet." Nicht, daß die Jünger des Johannes dies so direkt erfahren, vielmehr, dadurch, daß Jesus den Propheten Jessaja so lebendig, und auch durch Taten zitiert wird deutlich, jetzt erfüllt sich das Wort, was lange Zeit vorher durch die Propheten verkündet wurde. Jesus stellt sich damit in eine lange Tradition und bezieht die Heilsbotschaft direkt auf sich. Durch sein Kommen in die Welt, bricht das Reich Gottes an. Die Botschaft der Propheten wird zur frohen Botschaft für die Menschen – zum Evangelium.
In der Welt der Dunkelheit geht ein Licht auf,
dort wo alles wie gelähmt erscheint, festgefahren ist, kommt neue Kraft und Bewegung auf,
dort wo die Sünde alles befleckt und übertüncht, wird rein gewaschen und
dort wo der Lärm der täglichen Hektik die Ohren verstopft, dringt eine neue, befreiende und heilende Botschaft durch.
Liebe Schwestern und Brüder, ich habe diese letzten Sätze so gewählt, weil sie eine Verbindung zu heute aufbauen. Nicht nur die Menschen zur Zeit Jesu sind gemeint, auch wir haben die große Chance dies so zu erleben, wenn wir uns seinem Geist öffnen.
Auch dies drückt Jesus in seiner Botschaft aus. "Selig ist, wer an mir keinen Anstoß nimmt." Er gibt den Jüngern diese Heilszusage mit auf den Weg. Auch ihr gehört zu den Erlösten wenn ihr dies erkennt, ihr seid ganz und gar und Kinder Gottes, wenn ihr durch mich den Weg zum Vater geht. Jesus zeigt damit ein praktikable Perspektive für konkretes irdisches Handeln auf. Sein Weg, der Weg der Liebe und Barmherzigkeit ist der Weg des Glaubens.
Kehren wir zu den Eingangs erwähnten Zweifeln zurück: Nicht mit Ungeduld und Abweisung reagiert Jesus, sondern vielmehr mit Sachlichkeit und Liebe.
Für mich wird da etwas ganz charakteristisches an Jesus deutlich. Immer ist er offen für die Anfragen der Menschen: "Bist du der, der kommen soll, oder müssen wir auf einen anderen warten?" Eigentlich gibt darauf Jesus eine klare Antwort.
Trotzdem suchen Menschen immer wieder nach neuem, besseren Heil und auch nach anderen Führern und viele laufen anderen Idolen nach. Vermeintliche Heilsbringer verführen die Menschen, nur um sich zu bereichern und Macht zu bekommen. Ich denke, ein Blick auf das Evangelium könnte genau da die richtige Antwort sein. Vielleicht haben Zweifel so gesehen sogar etwas ganz vernünftiges an sich.
Auch so macht das Evangelium Mut, vor Gott, vor Jesus kann und darf man mit seinen Zweifeln treten. Durch das Evangelium und die Geschichte der vielen Gläubigen gibt er eine Antwort, die so denke ich, leicht anzunehmen ist.
Zweifel an anderen Heilsbringern führen dagegen allzuoft in die Isolation, in Tod und Verzweiflung. Deutlich wird uns dies bei Sekten vorgeführt und auch die Geschichte unseres Volkes zeigt, wohin es führen kann, wenn man falschen Propheten und Führern nachläuft.
Gerade die Adventszeit, als eine Zeit des "Unterwegs – Seins" gibt uns den Auftrag unseren Glauben und auch unsere Lebenssituation zu hinterfragen. Das Evangelium führt mich zur Überlegung, wem eile ich hinterher, wer sind meine Idole und Vorbilder und sind diese tragfähig für ein gestaltetes und zielgerichtetes Leben?
Jakobus drückt in der Lesung dies mit den Worten aus: "Darum, Brüder und Schwestern, haltet geduldig aus bis zur Ankunft des Herrn! ... Macht euer Herz stark, denn die Ankunft des Herrn steht nahe bevor."
Ich wünsche Ihnen in dieser vorweihnachtlichen Zeit Ruhe und Besinnung und daß das Wort des Herrn Ihnen Hoffnung schenkt für den Alltag.
Amen
Diakon Bernhard Kullmann
St.Michael, Aschaffenburg