Predigt zum Ostersonntag 1999

Liebe Schwestern und Brüder,

"deinen Tod o Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit." beten wir immer wieder dann, wenn unser Herr Jesus Christus, sich uns Menschen ganz und gar im heiligen Sakrament der Eucharistie offenbart.

Über den ersten Teil dieses Satzes hörten wir einiges in der Predigt zum Karfreitag. Sein Tod gehört zu unserer Erlösung. Mit ihm trägt er unsere Schuld und wer den Weg zu ihm findet ist auf dem Weg des Lebens.

Sein Weg ist ein Weg der Hoffnung.

Diese Hoffnung wäre unbegründet gäbe es nicht die Auferstehung. Doch welche Indizien sprechen denn dafür, daß dies nicht alles nur Lug, Trug oder Einbildung ist?

In unserer naturwissenschaftlich geprägten Zeit, suchen wir immer alle nach Beweise für eine Sache. Am besten ist es doch, wenn man ein paar Experimente machen kann, die die Gesetzmäßigkeit einer Sache einwandfrei feststellt. Mit der Auferstehung ist dies nicht möglich. Selbst wenn man glaubt etwas gefunden zu haben, denken sie an das Grabtuch, gibt es andere, die durch andere Untersuchungen genau das Gegenteil beweisen. "Warum macht es uns Gott so schwer?" fragen sich viele. Ich denke mir manchmal, vielleicht will es uns Gott gar nicht so einfach machen. Bei ihm kommt es eben nicht auf den Verstand, sondern vielmehr auf das Herz, die Empfindungen, das Vertrauen und die Liebe an. Keines von dem ist definierbar und überprüfbar. Trotzdem erkennt man an vielen Lebenswegen, ob die Existenz Gottes akzeptiert und auch gelebt wird.

Dies ist für mich ein erstes Indiz für die Auferstehung des Herrn. Viele Menschen vor mir, haben die Botschaft so ernst genommen und für wahr gehalten, so daß sie ihr ganzes Leben und ihre eigene Existenz darauf aufbauten. Das fängt bei den Jüngern an. Das sind ja keine irrationalen Phantasten, sondern vielmehr gestandene Mannsbilder und selbstbewußte Frauen, die ihr Leben aufgrund der Geschehnisse ändern. Die heilige Schrift erzählt von Zweifeln und Fragen, die rund um die Auferstehung auftreten. Aber alles was da geschieht, führt zu dem Ergebnis, daß die Frauen und Männer um Jesus zu den ersten Zeugen, auch für seine Auferstehung werden. Sie sind Zeuge nicht vor einem Gericht, sondern Zeuge durch ihr Leben. Sie handeln gut, sie sind vom Leben des Herrn und seiner Botschaft angesteckt und sie sind mutig in einer wilden Zeit, die vertrauten Wege zu verlassen, um neue Wege zu gehen. Sie stehen für diese Auferstehung ein, sogar mit ihrem eigenen Leben.

Sie geben auch die frohe Botschaft: "ja der Herr ist auferstanden, er lebt", mit solcher Überzeugung weiter, daß ganze Generationen und Kulturen ihrem Beispiel folgen. Und der Glauben hat Bestand. Seit zwei Jahrtausenden leben Menschen aus dieser begründeten Hoffnung. Unsere Kirchengeschichte ist reich beschenkt mit den vielen Heiligen, und auch ganz normalen Menschen, die den Weg des Glaubens gehen. In all diese setze ich mein Vertrauen und deshalb kann ich glauben.

Ein zweites Indiz für die Auferstehung liegt in der Person des Herrn. Als Mensch unter Menschen begegnet er uns als ein offener und wahrhaftiger Mensch. Bereits durch sein irdisches Leben wird die ganze Größe Gottes sichtbar. Sein irdisches Leben wird durch den Tod am Kreuz abgeschlossen. Sein Versprechen bleibt und:

er verspricht: "ich werde mit dir im Paradies sein",

er verspricht: "ich werden den Tempel niederreißen und in drei Tagen wieder aufbauen",

er sagt von sich selbst: "ich bin der Herr über Leben und Tod".

Warum sollte er, der selbst die Wahrheit verkörpert, in diesen Punkten lügen oder den Menschen etwas vor machen? Ich vertraue ihm auch in dieser Frage, so wie ich auf seine Botschaft von der Liebe Gottes zu den Menschen vertraue.

Viele unserer Lieder, drücken gerade in der Osterzeit, durch ihre Texte und Melodien, etwas von dem großen Maß an Freude aus, die uns durch die Auferstehung des Herrn geschenkt ist. Das zeigt, wie die Hoffnung den Menschen auch wirklich im Herzen froh machen kann. Es wird uns eben verdeutlicht: der Herr ist kein Gott der Toten, er ist vielmehr ein Gott der Lebenden. Tod wo ist dein Stachel, wo ist dein Sieg? Wir gehören zu den Erlösten!

Aus dieser österliche Freude heraus entsteht aber auch eine Verpflichtung. So wie wir von den Generationen vor uns, und den vielen Zeugen für Jesus Christus, die österliche Freude mitgeteilt und vermittelt bekommen haben, so ist es auch unsere Pflicht dieses "Osterlicht" weiterzugeben. Doch, wie kann das geschehen?

Ich denke, vor allem dadurch, daß wir selbst den Weg des Glaubens gehen. Nicht das gelehrte Reden, nicht das "es war schon immer so" zählt, sondern vielmehr das, was ein Jugendlied so ausdrückt: "was hast du getan um meines willen?". Wenn der Herr uns zu unserer eigenen Auferstehung einlädt wird er uns dies wohl fragen.

Ich wünsche uns, nicht nur um unserer selbst willen, sondern auch einer besseren und friedvolleren Welt willen, daß wir dann eine gute Antwort haben und daß wir aus der frohen Botschaft, von der Auferstehung des Herrn, viel Kraft für unseren Lebensweg bekommen.

Amen

 

Diakon Bernhard Kullmann

Gemeinde St.Michael

Aschaffenburg, Damm

 



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