Predigt 6. Sonntag A

Mt 5.20 "Zu den Alten ist gesagt worden..."

Liebe Schwestern und Brüder,

was sind eigentlich unsere Wünsche und Ideale? Im Gespräch mit Menschen hört man immer wieder heraus:

eigentlich möchte ich tun und lassen können was ich will,

ich möchte ein freier Mensch sein, keinen Zwängen und Gesetzen unterworfen.

Ich möchte ganz realistisch fragen: geht das überhaupt?

So lange es Menschen gibt, und das zeigen alle Kulturen auf, gibt es Regeln und Gesetze die den Menschen eine bestimmte Handlungsweise aufzwingen. Dabei kann man bestimmt unterscheiden:

Es gibt Gesetze, denen, sind wir durch unsere Natur unterworfen. Es klingt vielleicht albern und selbstverständlich, Nahrungsaufnahme, der Fortpflanzungstrieb, die Biologie, die Physik und sonstiges bestimmen und prägen unser Leben in vielfachen Formen. Wir können uns diesen Kräften nicht entziehen, weil wir selbst Teil dieser Natur sind. Grob gesagt: Eine Beule am Kopf, veranschaulicht deutlich und spürbar die Gesetze der Schwerkraft und der Physik – da gibt es kein wenn und aber.

Es gibt viele Gesetze, die sind von uns Menschen gemacht. Gesetze die vielfach einleuchten und verständlich sind. Da wo Menschen miteinander leben muß es für das Zusammenleben Regeln geben, sonst bricht Chaos, Streit und auf großer Ebene Krieg aus. Es gibt auch Regeln und Gesetze, die sehr in die Details gehen und die Freiheit des Menschen, oft unnötig einengen. Oft entstehen diese Vorschriften aus Streitigkeiten. Man legt sich für zukünftige Fälle genau fest um von vornherein Konflikte zu vermeiden. So sind Gesetzeswerke entstanden die für den Laien unüberschaubar sind. Wahrscheinlich verstoßen wir jeden Tag x-mal gegen solche Gesetze und merken es nicht einmal.

Ein drittes: Es gibt Gesetze, von denen wir behaupten, sie sind von Gott gemacht. Die Akzeptanz solcher Gesetze und Gebote setzt den Glauben an Gott, den Schöpfer der Welt voraus. Diesen Glauben vorausgesetzt, sind für uns manche Gebote sofort einleuchtend. Ich denke da an die 10 Gebote. Der glaubende Mensch hat es immer so verstanden, deshalb auch bekommt der Mensch, in der Person von Moses diese Gebote selbst und direkt überreicht. Ein Bild, das die Herkunft verdeutlicht und Generationen veranschaulicht hat. Göttliche Gebote gibt es nicht nur in der christlichen Religion: Im Islam ist die Sharia, das Gesetzbuch nicht nur menschliches Gesetz, es ist auch Gesetz von Allah, für den Menschen gemacht.

Das Judentum hat sein Gesetzeswerk auch so verstanden. Ein von Gott geschenktes Gesetz, das das Zusammenleben der Menschen und ihr Verhalten bis in kleinste Detail regelt. Das Evangelium zeigt an vielen Stellen, daß viele Menschen der Sinn der Regeln oft nicht klar war. Jesus spricht diesen Fall an und stellt dem alten Gesetz ein neues entgegen.

"Gut" haben wohl viele gedacht, weg mit den alten Zöpfen, jetzt kommt die neue grenzenlose Freiheit. Aber Jesus belehrt sie eines besseren. Jesus versteht das Gesetz und die Propheten als eine große Willenskundgebung Gottes an den Menschen. Er will dieses Gesetz neu und unverfälscht verkünden. Dabei werden die Gesetze nicht einfach abgeschafft, sondern erfüllt, wie Jesus sagt. Es geht um den Geist des Gesetzes und um das Herz und das Gewissen das hinter einer guten oder auch schlechten Tat steht.

Jesus bringt es auf den Punkt, wenn er beispielsweise beim Tötungsgebot nicht nur die schlimme, sündhafte Tat sieht, sondern da anpackt wo die böse Tat beginnt. In der Gedankenwelt fängt es an, wenn wir zum Nächsten mißgünstig sind, wenn wir ihn nicht akzeptieren weil er eine andere Rasse oder Hautfarbe hat oder weil er nur eine andere Meinung oder Einstellung hat als wir selbst. Da beginnen Streit und Lüge, Mißgunst und Diebstahl, Mord und Totschlag. Diese Gedankenwelt ist sicher in unserem Sinne nicht justiziabel, aber genau deshalb ist es Gottes Gesetz, weil er der Richter sein wird über dieses Gewissen.

Natürlich kommen uns Gedanken und strömen Gefühle auf uns ein. Jesus spricht es ja im Evangelium an, indem er das sechste Gebot aufgreift. Da gefällt einem eine andere Person, man findet sie reizvoll, vielleicht wünscht man sich, mit der oder dem möchte ich etwas mehr zu tun haben. Ich denke, das ist gut so, daß Gott uns dieses schöne Gefühl schenkt. Aber wie gehen wir mit diesem Gedanken und Gefühlen um? Jesus sagt es, dann wenn du lüstern und auffordern deinen Gedankenwelt Spielraum gibst, wenn du diese nächsten Schritte machst, dann bist du sündig und gehörst vor den Richter. Der Ehebruch ist das Ende der Sünde, sie beginnt dort, wo du den Menschen, den du liebst durch dein Verhalten enttäuschst oder wo du in eine bestehende Beziehung eindringst.

Jesus fordert von uns ein konsequentes Verhalten, es geht nicht um die Details, es geht und den roten Faden in deinem Leben. Stehst du hinter deinem Glauben, weißt er dir den Weg im Leben.

Zu Beginn der Predigt sprach ich von der Freiheit, von der Freiheit die wir uns so sehr wünschen. Ich denke, daß in diesem Angebot des Herrn ein großes Stück Freiheit liegt.

"Liebe, und dann tu was du willst" hat der heilige Augustinus einmal gesagt.

Ich wünsche uns, daß wir diesen Grundsatz nie vergessen.

Amen

 

Diakon Bernhard Kullmann

Gemeinde St.Michael

Aschaffenburg, Damm

 



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