Lesung: Brief des Apostel Paulus an die Kolosser, 3 (Der alte und der neue Mensch)

Liebe Schwestern und Brüder,

oft beschäftigen, oder sogar quälen, uns die Fragen:

Was wird nach dem Tod sein?

Wie sieht es in diesem Jenseits überhaupt aus?

Was hat es mit unserem irdischen Leben zu tun?

Vielleicht kommen auch manchmal Zweifel auf – vielleicht ist ja doch einfach alles mit einem Schlag aus, und das, was nach dem Sterben ist, ist nur eine dunkle schwarze Leere?

Gerade im Angesicht des Todes, der hier auf dem Friedhof doch so gegenwärtig scheint, tauchen diese Fragen oft auf. Welche Gründe uns auch immer zusammenführen, die Fragen treten hervor, gerade an einem solchen Tag wie Allerheiligen.

Wenn wir in die Geschichte der Menschen schauen, stellen wir fest, daß diese Probleme mit dem Tod nichts einmaliges, nur in unserer Kultur verankertes Gedankengut, sind. Scheinbar schon immer stellen Menschen diese Fragen – und sie geben die unterschiedlichsten Antworten. So gibt es viele Zeugnisse davon, angefangen bei den Mumien, Hügelgräbern, Schriften, Bildern und Mythen der verschiedene Kulturen.

Auch der Apostel Paulus, wird als Zeuge für den Glauben an unseren einen Gott gefragt: wie verhält es sich mit dem Tod?

In seinem Brief an die Kolosser, der auch uns gerichtet ist, gibt er uns viele Impulse für unser Glaubensleben.

Was mir zunächst auffällt: es gibt einen Zusammenhang zwischen dem irdischen Sein und der himmlischen Welt. Paulus stellt einen direkten Zusammenhang her und er zeigt, daß unser Handeln hier auf Erden etwas mit dem was uns nach dem Tod erwartet zu tun hat. ...

Ein zweites: Paulus macht keinen Unterschied zwischen Rassen, Religionen, Mann oder Frau. Was in unserer irdischen Welt oft Alltag und zugleich zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit ist, spielt vor Gott keine Rolle. Es ist für mich als Christ ein gutes Gefühl zu wissen, daß Gott kein Wesen von seinem Heilsplan ausnimmt. ...

Drittens: Diese Welt des Jenseits ist doch so ganz anders. Unsere irdischen Maßstäbe verschwimmen und zählen nicht. In seiner Aussage: Da ist nicht mehr Grieche oder Jude, Beschnittener oder Unbeschnittener, Sklave und Freier steht ja auch, daß die individuellen Unterschiede verschwinden.

Ein letzter Punkt: Paulus verbindet seine Predigt mit sehr konkreten Handlungsanweisungen an den gläubigen Christen. ...

All das zeigt, es geht nicht erst um ein Reich in einem fernen Jenseits, bei Reich Gottes geht es immer auch um das hier und heute. Sein Reich bricht dort an, wo Menschen nach seinem Willen leben.

In seinem Sohn Jesus Christus zeigt uns Gott ein solches vorbildhaftes Leben. Da begegnet uns ein offener, barmherziger und überaus großzügiger Mensch. Aber wegen dem Hass der Menschen erleidet er einen qualvollen Tod am Kreuz. Für seine Mutter und seine Freunde scheint dieses Ende auch das Ende ihrer eigenen Lebensperspektiven zu sein.

Geht es uns nicht auch oft so, gerade wenn ein Mensch gestorben ist der uns viel bedeutete scheint die Zukunft ungewiss und für viele auch hoffnungslos. Wie soll es nur weitergehen? Jetzt ist alles aus! – Auch Maria und die Jünger mögen dies so ausgesprochen haben und sie verschlossen sich in einem Raum und beteten.

Doch dann passierte etwas was ihr Leben radikal änderte und was sie heraustrieb aus verschlossenen Räumen, hinaus in die Welt.

Die Männer und Frauen wurden zu Zeugen für die Auferstehung. Sie erfuhren Gott als einen lebendigen, gegenwärtigen Gott der Hoffnung gibt und jedem Tod den Stachel nimmt.

Viele Generationen und auch unsere Vorfahren haben sich dieser Erfahrung angeschlossen und sie geteilt.

Vielleicht können auch wir uns von diesem Glauben anstecken lassen? Wir dürfen dabei unsere Toten nicht vergessen, auch Trauer darf sich breit machen aber der Tod eines geliebten Menschen darf nicht zur Hoffnungslosigkeit, Resignation und Lähmung führen. Das wäre ein Sieg des Todes über uns Menschen – wir aber sind mit Gott zum Leben berufen.

Ich wünsche uns diese Hoffnung und die Kraft uns gegenseitig zu stärken.

Amen

 

Diakon Bernhard Kullmann,

St.Michael, Aschaffenburg

1. November 1998



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