Evangelium: Lk. 20,27-38 Die Frage nach der Auferstehung der Toten
Lesung: 2. Thess 2,16 – 3,5 Segenswunsch des Apostels
Liebe Schwestern und Brüder,
die Frage nach der Auferstehung der Toten wurde im Volk Israel zur Zeit Jesu häufig und auch kontrovers diskutiert. Die Pharisäer und viele Teile des jüdischen Volkes hofften auf eine allgemeine Auferstehung der Toten am Ende der Zeiten. Andere, wie beispielsweise die Sadduzäer lehnten diese Vorstellung ab.
Deshalb verwundert es nicht, daß die Gelehrten zu Jesus kommen, um ihm die entscheidenden Fragen zu stellen: Wie ist das mit dem Leben, nach dem Tod?. An dem Beispiel, das die Schriftgelehrten aufgreifen, und das zugleich eine Parallele zu einer Geschichte des alten Testament ist, verspüren wir die doch recht irdischen Vorstellungen der Menschen. In dem Beispiel von der Frau mit ihren sieben Männern, und ich denke auch recht oft in unseren eigenen Vorstellungen, stecken mehr Bilder, von einem unsterblichen, irdischen Leben, - von einer Art himmlischen Schlaraffenland - als von dem, was Glaube und Religion über das Leben nach dem Tode erzählen.
Im Grunde genommen ist es ja auch verständlich. Stark sind wir Menschen in unser eigenes irdisches Leben verstrickt. Wir fühlen Liebe, Ärger, Sehnsucht, Hoffnung, Schmerz und Freude. Unser Körper macht das alles mit und er prägt zugleich diese Empfindungen ganz entscheidend. Auch unsere Umwelt, und vor allem andere Menschen, haben Beitrag an diesen Vorstellungen und Gefühlen. So betrachtet sind wir mit der Welt letztlich eins – Kinder dieser Welt, wie Jesus einmal sagte.
Der Tod ist nun eine Erfahrung, die wir auch immer nur aus dieser Weltsicht machen. Da wird ein Mensch der uns viel bedeutet plötzlich aus unsere Mitte gerissen, in uns kommen alle mögliche Gedanken und Gefühle auf, und unser Verstand weiß auch darum, daß wir eines Tages selbst diesen Weg gehen müssen. Der Tod gehört wie die Geburt unbedingt zum Leben dazu. Was uns aber letztlich fehlt ist eine sinnhafte, das heißt mit den Sinnen, wie Augen und Ohren, machbare Erfahrung über das, was der Tod letztlich für uns bedeutet. Deshalb auch wird der Tod oft aus unserer Welt verdrängt, er findet nicht mehr in Familien und im Hause statt. Von dem was danach ist wissen wir noch weniger. Keiner ist bis jetzt zurückgekommen und hat uns davon erzählt.
Oder doch? Unser Glauben erzählt davon, daß doch einer, Jesus, diesen Schritt gemacht hat. Darauf gründet sich unsere Hoffnung. Durch Zeugen wird es uns überliefert, sie haben den Auferstanden leibhaftig erlebt. Generationen von Christen bauen auf diese Überlieferung und sie gestalten ihr Leben diesem Glauben entsprechend.
Die heilige Schrift und auch unsere Tradition, denken sie nur an die Kirchenlieder, berichten von dem verklärten, auferstandenen Leib des Herrn. Dieses "verklärt" sein drückt einerseits aus, daß der Auferstandene von den Menschen ganz und gar als "Lebendiger" erfahren wird, andererseits aber auch ganz und gar den irdischen, physikalischen Gesetzen enthoben ist. Auch davon erzählt die heilige Schrift, beispielsweise wenn er als Gärtner oder Wegbegleiter plötzlich den Blicken der Menschen entschwindet. Hier zeigt sich auch, daß wir auf gefühlsmäßige Erfahrungen, gerade bezüglich des Glaubens angewiesen sind.
Manchmal wird ja gerade von sehr naturwissenschaftlich denkenden Menschen diese Art der Erfahrung angezweifelt. Auch mir kann es nicht gelingen diese Art von Wirklichkeit schlüssig, im rationalen Sinne, nachzuweisen. Aber ich weiß um das Geschehen, genauso wie ich auch Liebe erfahren habe, ohne sie letztlich naturwissenschaftlich beschreiben zu können.
Jesus zeigt in seiner Antwort an die Pharisäer ein ganz anderes Bild vom Himmelreich: auch ihr werdet die verklärte Engelsgestalt haben! So wie die Gestalt von einer anderen Welt ist, so wird auch der Versuch, dies zu beschreiben immer recht lückenhaft sein, weil zu sehr im Diesseits verankert.
So erzählt Jesus davon, daß es eine andere Welt ist, in der viele Fragen, die uns hier so bedeutsam erscheinen, dort überhaupt keine Rolle spielen. Wie sehr beschäftigen uns hier die Fragen nach dem Tod, doch dort wird es kein Sterben mehr geben.
Wie sehr beschäftigt uns hier Partnerschaft und Beziehungen, doch dort wird es diese Art des Zusammenlebens nicht mehr geben, denn alle sind Brüder und Schwestern und eins in Gott.
Wie sehr beschäftigen uns hier Gesetz und Moral, doch dort sind die Maßstäbe ganz andere. Nicht mehr die Rechtsvorschriften des alten Testamentes sind von Bedeutung, es zeigt sich vielmehr ein großzügiger und barmherziger Gott.
Deutlich wird in diesen Worten des Herrn, die wunderbare Verheißung und das große Geschenk das er uns Menschen macht. Ihr seid in seinen Heilsplan mit einbezogen, ihr gehört auch zu den Erlösten!
Ich wünsche Ihnen, daß Sie diese frohe Osterbotschaft verspüren und daß Sie daraus Kraft für den Alltag schöpfen.
Amen
Diakon Bernhard Kullmann,
St.Michael, Aschaffenburg
7./8. November 1998