Predigt 27. Dezember

Fest des heiligen Stephanus

Liebe Schwestern und Brüder,

es ist ja verständlich, daß man als Diakon oft gefragt wird, was ist und macht ein Diakon eigentlich? Man erzählt dann von seinen Aufgaben und Diensten und oft muß man im Gespräch das Eigentliche, oder Spezielle des Diakons gegenüber den anderen Diensten in der Kirche; Pfarrer, Gemeinde- oder Pastoralreferenten abgrenzen. Einige dieser Gespräche fielen mir ein, als ich mir Gedanken um diese Predigt heute am zweiten Weihnachtsfeiertag machte.

Heute können wir Diakone unser Fest feiern. Geehrt wird in der Kirche einer der sieben Diakone der Gemeinde von Jerusalem. Die Apostelgeschichte erzählt davon, daß er einer ist, der ganz vom heiligen Geist beseelt, sich für den Glauben an Jesus Christus einsetzte. Die ersten Diakone in der Gemeinde waren vor allem dazu da um die Gaben unten den Armen der Gemeinde zu verteilen. Durch Wort und Tat waren sie unter den Gläubigen präsent und in den frühen Zeiten des Christentums zeigen sie durch ihr Leben einen leb-baren und konkreten Weg in der Nachfolge Jesu auf. Stephanus gerät mit diesem Engagement und Handeln in einen Konflikt mit den Führern des hellinistischen Judentums, der damit endet, daß er vor den hohen Rat geschleppt und zum Tode durch Steinigung verurteilt wird. Stephanus wird damit zum Urbild des christlichen Märtyrers, der als Zeuge für den Herrn auftritt und bereit ist alles für diesen Glauben zu geben.

In dieser kurzen Lebensbeschreibung des heiligen Stephanus werden drei Punkte deutlich auf die es auch heute im kirchlichen Dienst noch ankommt, im übrigen nicht nur bei den Diakonen:

  1. Durch ihr Leben sollen die Amtsträger, genauso wie alle anderen Gläubigen auch Zeuge sein, für Jesus und den auferstanden Christus
  2. Sie sollen die armen und notleidenden Menschen besonders im Auge zu haben und
  3. Durch das Wort Gottes den Menschen eine befreiende, Hoffnung schenkende Botschaft geben.

Dies sind hohe Ansprüche an das Leben und ich möchte eingestehen, daß dies in der Realität nicht immer zu schaffen ist. Aber ich denke, durch solche Heilige wie Stephanus wird uns Christen ein Ziel vorgegeben auf das wir in unserem Leben zusteuern sollen.

Es ist hilfreich sein tägliches Tun an diesen Maßstäben zu messen, schon deshalb, damit das Ziel nicht aus den Augen verliert.

Betrachten wir die einzelnen Punkte:

Zeuge sein! Was heißt das eigentlich bezüglich des Glaubens? Es werden Fragen der Art auftauchen: Wofür mache ich mich im Alltag stark? Wofür trete ich ein? Kann man sich auf mein Wort, und das Leben das hinter diesem Wort steht auch verlassen?

Zeuge für Jesus zu sein beschäftigt sich genau mit diesem Fragen. Wie bei anderen Zeugen auch, ist es notwendig zunächst einmal die Tatsachen zu kennen. Im Glauben heißt das: sich mit dem Wort Gottes, seinen Worten und Taten und seiner Kirche ständig auseinanderzusetzen. Dazu gehören biblische Lesung, das Gespräch mit anderen über den Glauben und auch das Gebet, in diesem Sinne: eine stille Auseinandersetzung mit Gott.

Ich glaube sagen zu können, Zeuge für den Glauben zu sein wird in unserer Zeit zunehmend schwieriger. Die Apostelgeschichte erzählt davon, daß einige Leute der Synagoge die Ohren zuhielten und lärmten um nichts vom Wort Gottes zu hören. Heute ist es oft nicht anders. Auch unsere Sinneseindrücke werden durch Lärm und Verblendungen eingeschränkt. Viele wollen auch heute nichts mehr vom Glauben und unserer Kirche wissen. Der Glauben wird zur Last, weil er die Bequemlichkeit, die Trägheit, den übermäßigen Reichtum, die Moral – eben das alltägliche Leben in Frage stellt und das Handeln an ganz anderen Maßstäben als unseren irdischen misst.

Nachfolge, Zeuge sein heißt im Glaubenssinne auch Jesus nachzufolgen. Stephanus war für die Armen und Notleidenden da. Dies führt uns zum zweiten Punkt.

Gerne beschäftigen wir uns mit den Reichen, Schönen und Mächtigen. Psychologen sagen, das ist deshalb so, weil etwas vom Glanz dieser Gruppen, dann auch auf uns fällt. Von der Armut geht kein Glanz aus, der konkrete Umgang gestaltet sich überaus schwierig. Ich will auch kein romantisches Bild vom edlen Hilflosen zeigen, weil ich auch darum weiß, daß man bei uns manchmal ausgetrickst und ausgenutzt wird. Diakonie im Alltag gestaltet sich überaus kompliziert weil oft viele Problemfelder zusammen kommen. Manchmal glaubt man keinen Weg aus der Misere zu finden und oft bleibt der ernüchternde Nachgeschmack, daß jede Hilfe sinnlos ist. Das ist im Kleinen so wenn es in einem Gespräch um Beziehungen geht, um Kinder und Schule oder um Sorgen, die oft etwas mit Alkohol zu tun haben. Es ist auch im Großen so, wenn man sich für Gerechtigkeit in der Welt engagiert, da arbeitet man mit Vielen, Tag und noch mehr Nächte und scheinbar passiert nichts. Kein Wunder, daß man oft mutlos wird und sich lieber den Dingen zuwendet bei denen halt etwas zu sehen ist. Wir Diakone diskutieren oft in unseren Kreisen genau über diese Frage. Welchen Weg sollen wir gehen? Ich denke, Jesus zeigt uns da einen Weg, der ist unbequem, aber er hilft dem Nächsten und er macht auch Mut und schenkt Kraft.

Dies führt uns zum dritten Gedanken: durch das Evangelium unseres Herrn können wir immer wieder Kraft und Hilfe bekommen. Ich sage diesen Satz nicht leichtfertig daher, sonder ich stehe auch dahinter, weil ich es oft gesehen habe, und auch die Geschichte der Gläubigen es immer wieder zeigt, wie aus der Botschaft des Herrn neue Ideen, Hoffnungen und Trost entspringen.

Viele Gläubigen zeigen uns dies, wenn beispielsweise in Süd- und Mittelamerika aus der Religion Bewegungen entstehen, die politisch und auch gesellschaftlich wirksam sind. Bei uns wird beides oft getrennt. Über Glauben spricht man nur in der Kirche. Arbeitslosigkeit, Waffenproduktion, Abtreibung, Armut und Reichtum, Krankheit, Geburt und Tod – dies sind nur einige wenige Punkte mit denen sich das Evangelium beschäftigt. In der Gesellschaft spielen diese Fragen ebenfalls ständig eine Rolle und sie werden in der Öffentlichkeit diskutiert, allerdings so, und da setzt meine Kritik an, als ob es das Evangelium und Gott nicht gäbe.

Der heilige Stephanus erinnert mich als Diakon daran, immer wieder auf diese Dinge aufmerksam zu.

Was können sie tun? Diakon ist man nicht nur von Amts wegen. Jeder Getaufte ist wie in das allgemeine Priesteramt auch in das allgemeine Diakonenamt mit hineinberufen. Was wir, die wir im Amt stehen, brauchen ist ihre Solidarität und ihr Gebet. Darum möchte ich sie am Festtag der Diakone bitten.

Amen

 

Diakon Bernhard Kullmann

Gemeinde St.Michael

Aschaffenburg, Damm

 



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