Predigt: "und das Wort ist Fleisch geworden..."

Zweiter Sonntag nach Weihnachten, 1999

Liebe Schwestern und Brüder,

sie haben bestimmt auch schon einen Streit erlebt. Unterschiedliche Einstellungen und Ansichten führen dazu, dass Situationen als immer unangenehmer empfunden werden. Die Wörter werden immer härter und aggressiver, Beschimpfungen kommen dazu, manchmal eskaliert der Streit weiter, bis hin zu Handgreiflichkeiten. Befragt man die Streithähne danach, so heißt es dann: "ein Wort hat halt das andere gegeben".

Eine ganz andere, positive Situation, haben viele bestimmt auch schon erlebt. Man lernt einen Menschen kennen, eine Beziehung reift heran, oder man verliebt sich. Wie sehr kann ein gutes Wort die Beziehung dann bereichern und aufbauen, beispielsweise: "schön da es dich gibt, gut dass du da bist!".

Es gibt Worte, einmal gesprochen in einer bestimmten Situation die Geschichte machen. In der Zeit der Medien verbinden wir sogar bestimmte Bilder mit diesen Worten. Beispiels aus unserem Jahrhundert: "ich bin ein Berliner" (Kennedy), "i have a dream" (Martin L. King), "es ist nur ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Schritt für die Menschheit" (Amstrong) oder ganz negativ: "wollt ihr den totalen Krieg?" (Goebells). Solche Worte sind oft Ausdruck einer ganzen geschichtlichen Epoche. Ein Einzelner drückt das aus, was viele denken oder sich wünschen und oft ist das gesagte richtungsweisend für ganze Generationen.

Andere Worte, oft aus der Literatur, sind zu "geflügelten" Worten geworden. "Laß den Worten Taten folgen", "Echte Freunde erkennt man in der Not", "Alle Wege führen nach Rom". Wir benutzen sie oft um bestimmten Gefühlen und Meinungen Ausdruck zu verleihen. Das gesprochene Wort wird damit fester und scheinbar endgültiger. Manches Gespräch wird mit einer solchen Aussage beendet.

Der Umgang mit dem Wort und der Sprache ist vielleicht das, was unser Leben mit am nachhaltigsten beeinflußt. Mit Worten tauschen wir uns aus, Worte können trennen aber auch versöhnen, Worte können ganz zärtlich und liebevoll sein, sie können aber auch voller Gewalt stecken und den Menschen gegenüber, zu Weißglut bringen. Worte können voller Wahrheit und Klugheit sein, aber auch die Lüge und Dummheit werden durch die Sprache verbreitet.

Mit der Sprache ist uns Menschen auch ein ganzes Stück Verantwortung in den Mund gelegt. Wir wissen, und das zeigen die obigen Beispiele, um die Macht der Worte. Ein verantwortungsvoller Umgang mit dem was wir sagen ist auch ein großes christliches Gebot. "Du sollst nicht lügen", so haben viele von das achte Gebot kennengelernt. Ich möchte es positver ausdrücken. Du sollst immer wieder die Wahrheit verbreiten, vom Guten erzählen, du sollst versöhnen und Unrecht zur Sprache bringen, um nur ein paar Punkte zu nennen. Auch müssen Wort und Tat übereinstimmen. Zur Wahrheit gehört eben beides.

Wir sehen daran, dass das gesprochene Wort immer auch eine moralische und ethische Dimension hat.

Manche Wörter haben eine besondere Bedeutung und einen besonderen Wert. Für viele Christen und auch für mich ist es das Wort Gottes. Als Pfarrer oder Diakon sind wir aufgefordert besonders ehrfürchtig mit diesen "heiligen Worten" umzugehen. Vor der Verkündigung sprechen wir deshalb: "heiliger Gott, reinige mein Herz und meine Lippen, damit ich dein Evangelium würdig verkündige". Auch im dreifachen Kreuzzeichen können wir beten: "der Herr öffne mir den Verstand, damit ich sein Wort verstehe, meinen Mund, damit ich sein Wort verkünde und mein Herz, dass ich seine Liebe spüre und auch daraus lebe."

Die Lesung und das Evangelium des heutigen Tages erzählen von Gottes großem Wort. Ein Wort nicht in einer konkreten Sprache, aber in unserem Glauben handfeste Realität. Gesprochen vor aller Zeit, wurde das was ist - die Zeiten und die Welt. Durch sein Wort kommt er auch in diese Welt, als lebendig gewordener Gott – als Jesus Christus. Sein Wort begleitet uns auch in dieser Welt. Wir hören es immer wieder durch die heilige Schrift und erfahren es durch seinen heiligen Geist.

Sein Wort ist dabei das, was unseren menschlichen Worten oft fehlt:

Zum Beginn des neuen Jahre wünsche ich Ihnen viele solcher gute Worte. Hier im Gotteshaus und draußen in der Welt. Wort die Ihnen helfen schwere Zeiten zu meistern und gute Zeiten noch mehr zu genießen.

Amen

 

 

Diakon Bernhard Kullmann

Gemeinde St.Michael

Aschaffenburg, Damm

 



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