Diakon Bernhard Kullmann
Familienseelsorger - Dekanat Aschaffenburg Stadt
(stellvertretender Vorsitzende des FDK - Würzburg)
Dammer Straße 25
63741 Aschaffenburg
Kinderreiche Familien auf das Abstellgleis?
Resolution des FDK und der KED zur "familienfreundlichen" Preisgestaltung der Deutschen Bahn AG
In einer Pressemitteilung vom 8. März 1999 stellt die "Deutsche Bahn AG - Reise & Touristik" ihre neue Preisgestaltung für das kommende Jahr, gültig ab
1. April 1999, vor. Sie wirbt dabei mit dem Satz: "Die Deutsche Bahn wird noch familienfreundlicher". Dabei sind für die Familien einige Veränderungen zu beobachten.
Positiv, daß, vom 1. April an, Kinder unter 6 Jahren (bisher 4 Jahre), in allen Zügen frei fahren.
Erfreulich ist außerdem die Reduzierung der "BahnCard Familie" von 120 DM auf 65 DM. Ab dem zweiten Kind ist für jedes weitere Kind ein Betrag von je 10 DM zu zahlen. Auch können Kinder mit dieser Karte, im Gegensatz zu früher, nun alleine zum halben Preis reisen.
Eher am Rande wird von der Deutschen Bahn darauf hingewiesen, daß mit diesem neuen "familienfreundlichen" Angebot die "BahnCard Wuermeling" ersatzlos gestrichen wird.
Für Familien ab drei Kinder stellt sich die neue "familienfreundliche" Bahnpolitik so dar:
- bisher: BahnCard für 0.- DM
- neue Regelung: BahnCard 65.- DM plus 2 x 10.- DM, das sind 85.- DM. Für weitere Kinder steigt der BahnCardpreis um jeweils 10.- DM.
Dies ist keine "familienfreundliche" Regelung sondern eine zusätzliche finanzielle Belastung der Familien! Gerade kinderreiche Familien, für die bereits in den 50er Jahren der Würmeling-Paß eingeführt wurde, werden erneut gesellschaftlich benachteiligt.
Auch im Servicebereich kann die Deutsche Bahn Familien mit mehreren Kindern nur wenig bieten. In modernen ICE-Zügen ist kein Platz für Kinderwägen; Sitze können nicht mehr zu einem Schlafplatz ausgezogen werden; die modernen Großraumwagen, mit nur einem geringen Anteil an 6-Platz-Abteilen, trennen Eltern von ihren Kindern und eine Reservierung eines ganzen Abteils (für 9.- DM, einfache Fahrt) scheitert meist an der Verfügbarkeit.
Gleichzeitig weitet die Bahn ihr Angebot für "Partnerschaften" aus. Partner (auch gleichgeschlechtliche) die einen gemeinsamen Wohnsitz nachweisen, sparen zukünftig 120.- DM für die BahnCard 2.Klasse und 240.- DM in der 1.Klasse.
(WuermelingCard-Besitzer hat man in der Vergangenheit nicht in die erste Klasse gelassen. Dies gilt auch für andere Familienangebote, wie beispielsweise den ICE-FamilienSuperSparpreis (298.-DM nur 2.Klasse). Sind Familien für die erste Klasse nicht gut genug? Wen will man mit der Bahn befördern?) - wurde aus der Resolution gestrichen (als Leserbrief kann man dies beibehalten)
Der Familienbund der Deutschen Katholiken und die Katholische Elternschaft Deutschlands in der Diözese Würzburg protestieren gegen diese Geschäftspolitik der Deutschen Bahn AG.
Das "Zukunftsunternehmen Bahn" scheint sich bei der derzeitigen Sachlage um seine eigene Zukunft wenig zu kümmern - denn wer sind die Fahrgäste in einigen Jahren, wenn nicht unsere Kinder?!
Vielen Dank für Ihre Hinweise
Bernhard Kullmann